Tarifrunde Kfz-Handwerk 2026: Was die 3,3-Prozent-Erhöhung für Werkstätten bedeutet

Seit dem 1. August 2026 greift die zweite Stufe des aktuellen Tarifabschlusses im Kfz-Handwerk: Die Entgelte steigen in mehreren Tarifgebieten um weitere 3,3 Prozent – nach einer ersten Erhöhung um 2,3 Prozent bereits im Sommer 2025. Für Werkstätten bedeutet das spürbar höhere Personalkosten, aber auch neue Spielräume bei der Mitarbeiterbindung.

Zwei Stufen, ein Jahr Laufzeit

Die IG Metall hatte den Tarifabschluss für das Kfz-Handwerk regional getrennt ausgehandelt – zunächst in Niedersachsen, danach folgten unter anderem Hamburg, Hessen, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und das Tarifgebiet Nordost. Das Grundmuster ist überall ähnlich: eine erste Erhöhung um 2,3 Prozent zur Jahresmitte 2025, eine zweite um 3,3 Prozent zum 1. August 2026. In Summe ergibt sich über rund 13 Monate ein Plus von etwa 5,7 Prozent – nach Einschätzung von Branchenbeobachtern eine der stärksten Tarifsteigerungen der letzten Jahre im Kfz-Gewerbe. Die Laufzeit der neuen Entgelttarife reicht je nach Region bis Ende Mai 2027.

Auch die Ausbildungsvergütungen wurden angehoben. Im Tarifgebiet Nordost (Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern) gelten seit August 2026 einheitlich 1.088 Euro im ersten und 1.224 Euro im vierten Ausbildungsjahr. In Nordrhein-Westfalen stiegen die Entgelte zum 1. April 2026 um 2,55 Prozent in allen Lohngruppen, die Ausbildungsvergütungen um je 30 Euro zum 1. August.

Zeit statt Geld: das WorkFlex+-Modell

Ein Novum in mehreren Tarifgebieten ist die Wahloption zwischen Geld und Freizeit. Beschäftigte können über den Tarifvertrag „WorkFlex+“ bis zu fünf zusätzliche freie Tage im Jahr statt eines Teils der Lohnerhöhung wählen. Für Betriebe mit ausgeprägten Saisonspitzen – etwa rund um den Räderwechsel im Frühjahr und Herbst oder die Hauptuntersuchungssaison – ist das ein zweischneidiges Schwert: Es erhöht die Attraktivität des Arbeitgebers, verschärft aber zugleich die Personaleinsatzplanung in umsatzstarken Wochen, wenn mehr Mitarbeiter ihre freien Tage genau dann einlösen wollen.

Was das für die Kalkulation bedeutet

Eine Lohnerhöhung von 3,3 Prozent schlägt nicht eins zu eins auf die Gesamtkosten durch – durch proportional steigende Lohnnebenkosten wie Sozialabgaben und Berufsgenossenschaftsbeiträge liegt der tatsächliche Kostenanstieg je Mitarbeiter häufig bei rund 4 bis 4,5 Prozent. Wer seinen Stundenverrechnungssatz seit über einem Jahr nicht angepasst hat, sollte die Kalkulation jetzt prüfen. Die aktuellen Stundensätze freier Kfz-Werkstätten bewegen sich 2026 regional zwischen rund 95 und 145 Euro netto für Standardarbeiten, Markenbetriebe liegen teils deutlich darüber.

Wichtig für die betriebliche Praxis: Der Tarifvertrag gilt unmittelbar nur für tarifgebundene Betriebe. Nicht tarifgebundene Werkstätten sind formal nicht zur Anpassung verpflichtet, geraten aber faktisch unter Druck, mitzuziehen – wer im Wettbewerb um Fachkräfte bestehen will, kommt an vergleichbaren Konditionen kaum vorbei. Das trifft eine Branche, die ohnehin unter spürbarem Fachkräftemangel leidet: Allein im handwerklichen Bereich des Kfz-Gewerbes fehlen laut Verbandsangaben mehrere Tausend Fachkräfte, trotz zuletzt gestiegener Ausbildungszahlen beim Beruf Kfz-Mechatroniker/in.

Personalkosten und Kalkulation im Blick behalten

Steigende Lohnkosten lassen sich nur dann sauber in der Preisgestaltung abbilden, wenn Werkstätten ihre Auslastung, Stundenverrechnungssätze und Lohnnebenkosten laufend im System pflegen, statt sie einmal im Jahr grob zu schätzen. Eine strukturierte Werkstattplanung hilft dabei, Mehrkosten durch Tarifsteigerungen frühzeitig in der Kapazitätsplanung sichtbar zu machen, statt sie erst am Jahresende in der Bilanz zu bemerken.

Quellen: DGB.de (Tarifmeldung Kfz-Handwerk NordOst), IG Metall Berlin, CGM NRW, work5.de.

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