Tachomanipulation: Neue OBD-Diagnose von TÜV Nord und Carly deckt Kilometerbetrug in Minuten auf

Tachomanipulation gilt seit Jahren als eines der hartnäckigsten Betrugsprobleme im Gebrauchtwagenhandel. Eine neue OBD-Diagnoselösung von TÜV Nord und dem Diagnoseanbieter Carly soll Werkstätten und Autohäusern künftig helfen, manipulierte Laufleistungen innerhalb von wenigen Minuten direkt beim Fahrzeug-Check aufzudecken.

Verbreitetes Problem mit hohem Schaden

Nach Einschätzung des ADAC ist bei rund jedem dritten in Deutschland verkauften Gebrauchtwagen der Kilometerstand manipuliert. Die Betrüger steigern den Fahrzeugwert dadurch im Schnitt um etwa 3.000 Euro pro Auto, der geschätzte jährliche Gesamtschaden in Deutschland liegt im Milliardenbereich. Trotz der 2017 eingeführten EU-Regelung zum Schutz vor Tachomanipulation lässt sich der Kilometerstand bei vielen Fahrzeugen weiterhin vergleichsweise einfach über die gesetzlich vorgeschriebene Diagnosebuchse verändern – entsprechende Geräte sind bereits für wenige hundert Euro im Umlauf.

Abgleich mehrerer Steuergeräte als Prüfmethode

Die gemeinsame Lösung von TÜV Nord und Carly setzt genau an diesem Punkt an: Über den OBD-Anschluss liest die Software die Laufleistungsdaten verschiedener Steuergeräte im Fahrzeug aus und vergleicht sie mit der Anzeige im Kombiinstrument. Weicht ein Steuergerät – etwa Motor- oder Bremssteuerung – deutlich vom angezeigten Tachostand ab, ist das ein starkes Indiz für eine nachträgliche Manipulation. Der komplette Scan soll laut den Anbietern nur rund zwei bis drei Minuten dauern und ist damit deutlich schneller als ein klassischer Abgleich über Werkstattrechnungen, HU-Protokolle und Serviceheft.

Relevanz für Ankauf und Werkstattalltag

Für Kfz-Betriebe, die Gebrauchtwagen an- oder verkaufen, ist ein belastbarer Kilometerabgleich beim Ankauf wirtschaftlich relevant: Ein falsch eingeschätzter Kilometerstand wirkt sich unmittelbar auf Einkaufspreis, Garantierückstellungen und spätere Gewährleistungsrisiken aus. Ein schneller Diagnose-Check direkt an der Rampe kann hier helfen, Fehleinschätzungen vor der Preisverhandlung zu vermeiden – und lässt sich organisatorisch in den Wareneingangsprozess für Gebrauchtfahrzeuge einbinden. Wie ein strukturierter Ankaufsprozess inklusive Bestandsführung für Gebrauchtwagen in der Praxis aussehen kann, zeigt die CATAMA Kfz-Warenwirtschaft.

Kein Ersatz für die klassische Prüfung

Ein OBD-Abgleich ersetzt die bewährten Prüfschritte nicht vollständig: Serviceheft, HU-Berichte und Verschleißspuren an Lenkrad, Pedalen und Sitzen bleiben weiterhin Teil einer seriösen Plausibilitätsprüfung. Auch technisch versierte Manipulationen, die mehrere Steuergeräte konsistent verändern, lassen sich nicht in jedem Fall zuverlässig erkennen. Als zusätzlicher, schneller Baustein im Ankaufsprozess kann die Diagnose aber die Trefferquote bei der Aufdeckung von Tachobetrug deutlich erhöhen.

Quellen: autohaus.de, ADAC

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