BYD, Geely, Xiaomi und die Chery-Marken OMODA/JAECOO bauen ihre Händlernetze in Deutschland derzeit in hohem Tempo aus. Für etablierte Autohäuser und Werkstätten bedeutet das nicht nur neue Konkurrenz, sondern auch neue Chancen als Vertriebs- und Servicepartner – allerdings mit organisatorischen Folgen für Schulung, Ersatzteilversorgung und Kapazitätsplanung.
Schnelles Netzwachstum chinesischer Hersteller
Beim IfA Branchengipfel 2026 bezifferten Vertreter von BYD, Geely, Xiaomi und Changan Europe ihre Ausbaupläne für den deutschen Markt. BYD will sein Händlernetz von rund 28 Standorten Anfang 2025 bis Ende 2026 auf etwa 300 Standorte verzehnfachen. Geely berichtete, seit Ende März 2026 rund 70 Händlerverträge unterschrieben zu haben, über 50 Standorte seien bereits aktiv. Xiaomi hat auf der IFA in Berlin Absichtserklärungen mit acht großen deutschen Handelsgruppen unterzeichnet – darunter Emil Frey Germany, Hahn Automobile und Lueg Mobility – und plant den Marktstart für 2027.
Etablierte Händlergruppen nehmen China-Marken ins Portfolio
Auch bestehende Handelsgruppen reagieren: Die Hahn Gruppe hat in Pforzheim einen eigenen Showroom für Geely eröffnet und vertreibt die Marke künftig neben Volkswagen, Audi, Porsche, Skoda, Seat und Cupra. Die Cloppenburg Automobil SE nimmt zum vierten Quartal 2026 die Chery-Marken OMODA und JAECOO ins Portfolio auf, mit Vertrieb, Werkstatt und Serviceanbindung an den bestehenden Standorten. Begründet wird dieser Schritt meist mit einer Diversifikationsstrategie: Mehrmarkenbetriebe machen Händler unabhängiger von einzelnen Herstellerzyklen.
Folgen für Werkstatt und Service
Für Werkstätten, die eine neue Marke ins Haus holen, bedeutet das zunächst Schulungsaufwand: Service- und Vertriebspersonal muss auf neue Fahrzeugplattformen, Diagnosesysteme und Ersatzteilkataloge eingestellt werden. Hinzu kommt die Frage der Teileverfügbarkeit – chinesische Hersteller bauen ihre Ersatzteillogistik in Europa erst auf, was zu längeren Lieferzeiten bei bestimmten Komponenten führen kann. Betriebe, die mehrere Marken parallel bedienen, benötigen eine Kapazitätsplanung, die unterschiedliche Standardzeiten, Werkzeugsätze und Hebebühnenbelegungen je Marke berücksichtigt – eine Aufgabe, die sich mit einem digitalen Werkstattplaner und Terminplaner deutlich übersichtlicher organisieren lässt als mit Papierplänen oder Einzelkalendern je Marke.
Einordnung
Der Marktanteil chinesischer Hersteller in Deutschland liegt laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine Bundestagsanfrage weiterhin unter dem europäischen Durchschnitt, wächst aber spürbar: Laut KBA-Zulassungsstatistik für September 2026 kam BYD auf einen Marktanteil von 2,4 Prozent bei einem Zulassungsplus von rund 86 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Für den Werkstattalltag heißt das: Die Zahl der zu betreuenden Fahrzeuge aus chinesischer Produktion wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen, auch wenn die etablierten Marken wie Volkswagen weiterhin den größten Marktanteil halten.
Quellen: autohaus.de, Handelsblatt, Cloppenburg Gruppe (Pressemitteilung), Kraftfahrt-Bundesamt (Neuzulassungsstatistik September 2026), Deutscher Bundestag (Drucksache 21/8079).