ZDK stellt Branchenstatistik neu auf: Kfz-Gewerbe wächst auf 705.000 Beschäftigte

Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) hat seine Branchenstatistik grundlegend überarbeitet: Statt bislang rund 39.000 Betrieben mit 468.000 Beschäftigten weist der Verband das Kfz-Gewerbe künftig mit 84.000 Unternehmen und 705.000 Beschäftigten aus. Für Werkstätten und Autohäuser hat diese Neuausrichtung vor allem eine politische und statistische Dimension – wirtschaftlich ändert sich am einzelnen Betrieb nichts, aber das Gewicht der Branche in der öffentlichen Wahrnehmung wächst deutlich.

Warum die Zahlen so stark steigen

Der ZDK orientiert sich mit der Neuberechnung erstmals an der Datenlogik und den Standards des Statistischen Bundesamtes. Grundlage sind die amtlichen Wirtschaftszweige „Handel mit Kraftwagen“ sowie „Instandhaltung und Reparatur von Kraftwagen“, ergänzt um fachliche Anpassungen des Verbands. Anders als bei der bisherigen, auf der eigenen Mitgliederbasis beruhenden Zählung fließen jetzt alle Beschäftigten ein – neben Vollzeitkräften also auch Teilzeitkräfte, Selbstständige und weitere Unternehmensbereiche. Zusätzlich werden kleinere Unternehmen und bislang nicht erfasste Tätigkeitsfelder berücksichtigt. Der Handel mit Kfz-Teilen ist in der neuen Zahl noch gar nicht enthalten – der ZDK weist darauf hin, dass die Beschäftigtenzahl sonst deutlich über 800.000 läge.

Auch begrifflich stellt der Verband um: Statt von „Betrieben“ ist künftig von „Unternehmen“ die Rede, da nach amtlicher Definition ein Unternehmen mehrere rechtliche Einheiten und Standorte umfassen kann. Für das Jahr 2025 ergibt sich auf dieser Basis laut Branchenberichten ein Gesamtumsatz der Kfz-Branche von rund 243 Milliarden Euro.

Mitgliedschaft und Branche werden getrennt

Bislang vermischte die ZDK-Statistik faktisch Mitgliederzahlen mit Branchengröße. Das ändert sich nun: Die neuen Kennzahlen sollen die wirtschaftliche Realität des gesamten Kfz-Gewerbes abbilden, unabhängig davon, ob ein Unternehmen einer Innung oder einem Verband angehört. ZDK-Präsident Thomas Peckruhn begründet den Schritt damit, dass sich die tatsächliche wirtschaftliche und beschäftigungspolitische Bedeutung der Branche bislang nicht ausreichend in der öffentlichen Wahrnehmung und in politischen Entscheidungen widergespiegelt habe.

Veröffentlicht wurden die neuen Zahlen anlässlich der Automechanika Frankfurt (8. bis 12. September 2026), der nach Verbandsangaben weltweit größten Leitmesse des Automotive Aftermarket. Dort traten ZDK und Bundesinnungsverband des Kfz-Handwerks (BIV-Kfz) trotz anhaltender Spannungen zwischen den beiden Organisationen erstmals wieder mit einem gemeinsamen Messestand auf – ein Signal, dass beide Verbände in der Interessenvertretung stärker zusammenarbeiten wollen, auch wenn zentrale Konfliktpunkte weiterhin ungeklärt sind.

Was das für Werkstätten praktisch bedeutet

Für den einzelnen Betrieb ändert die neue Statistik zunächst nichts an Tagesgeschäft, Umsatz oder Auftragslage. Relevant ist sie eher mittelbar: Eine Branche, die mit belastbaren, amtsnahen Zahlen auftritt, hat in politischen Debatten – etwa zu Themen wie Recht auf Reparatur, Zugang zu Fahrzeugdaten, Förderprogrammen für Elektromobilität oder Ausbildungsförderung – ein stärkeres Argumentationsgewicht. Gerade in einer Phase, in der der ZDK auch intern über seine künftige Führung und das Verhältnis zum BIV-Kfz diskutiert, dient die Neuausrichtung der Statistik auch dazu, den Dachverband als Sprachrohr der gesamten Branche zu positionieren.

Für die betriebliche Praxis bleibt entscheidend, dass Werkstätten unabhängig von Verbandszahlen ihre eigene wirtschaftliche Basis im Blick behalten: Auslastung der Werkstattkapazitäten, Materialeinsatz und Terminplanung sind Stellgrößen, die sich direkt steuern lassen. Ein strukturierter Werkstattplaner und Terminplaner hilft dabei, Kapazitäten realistisch einzuschätzen und Leerlaufzeiten zu vermeiden – unabhängig davon, wie groß die Branche in der amtlichen Statistik am Ende ausgewiesen wird.

Fazit

Die Neuaufstellung der ZDK-Branchenstatistik ist in erster Linie ein Instrument der Interessenvertretung: Mit amtsnahen, vergleichbaren Zahlen will der Verband die wirtschaftliche Bedeutung des Kfz-Gewerbes sichtbarer machen und seine Position gegenüber Politik und Öffentlichkeit stärken. Für Werkstätten und Autohäuser bleibt die Neuerung vor allem eine Randnotiz mit politischer Relevanz – das operative Geschäft entscheidet sich weiterhin an anderer Stelle.

Quelle: ZDK-Pressemitteilung, 07.09.2026

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