Carglass startet mobilen Scheibentausch mit ADAS-Kalibrierung vor Ort

Der Autoglas-Spezialist Carglass testet einen mobilen Service, der künftig auch die komplette Rekalibrierung von Fahrerassistenzsystemen direkt beim Kunden ermöglicht. Für Werkstätten und freie Kfz-Betriebe wirft das Pilotprojekt die Frage auf, wie sich mobile ADAS-Dienstleistungen in den eigenen Betriebsalltag integrieren lassen.

Was Carglass künftig vor Ort anbietet

Bislang war für den Austausch einer Windschutzscheibe mit anschließender statischer Rekalibrierung der Fahrerassistenzsysteme in der Regel ein Besuch in einer der bundesweiten Carglass-Niederlassungen nötig. Mit dem neuen, gemeinsam mit Bosch entwickelten Mobilsystem soll das nicht mehr erforderlich sein: Ein Scanner mit drei Linsen bestimmt die Fahrzeugmittellinie, eine elektronische Zieltafel mit 32-Zoll-Display dient der Fahrzeugkamera als Referenzpunkt. Software und Künstliche Intelligenz gleichen dabei auch kleinere Bodenunebenheiten aus. Nach Angaben von Carglass lassen sich so rund 94 Prozent der Fahrzeugmodelle, die eine statische Rekalibrierung benötigen, inzwischen mobil versorgen.

Klare Rahmenbedingungen für den Einsatz

Ganz ohne Einschränkungen funktioniert der mobile Einsatz nicht. Benötigt wird eine ausreichend große, befestigte Fläche mit mindestens 1,5 Metern Platz an jeder Fahrzeugseite und rund zwei Metern vor dem Fahrzeug. Die Bodensteigung darf acht Grad, die seitliche Neigung drei Grad nicht übersteigen. Hinzu kommen eine stabile Internet- beziehungsweise Mobilfunkverbindung sowie ausreichende Lichtverhältnisse – bei Regen, Schnee oder Dunkelheit ist eine Rekalibrierung vor Ort derzeit nicht möglich. Die zulässige Temperaturspanne reicht von minus neun bis plus 49 Grad Celsius. Für den kompletten Vorgang aus Scheibentausch und Kalibrierung sollten Kunden mindestens zwei Stunden einplanen.

Zielgruppe: Flotten, Vermieter und ländliche Regionen

Carglass richtet das Angebot zunächst vor allem an Flottenbetreiber, Autovermieter und Carsharing-Anbieter, die den Transportaufwand zur Werkstatt vermeiden wollen. Auch Privatkunden in Regionen mit geringerer Niederlassungsdichte sollen künftig profitieren. Das Pilotprojekt läuft bereits, eine schrittweise bundesweite Einführung ist für 2027 vorgesehen. Ob der mobile Einsatz für Endkunden teurer wird als ein klassischer Werkstattbesuch, ist laut Unternehmen noch offen und dürfte unter anderem vom jeweiligen Kaskovertrag abhängen.

Relevanz für freie Werkstätten und Autohäuser

Für den Aftermarket ist die Entwicklung ein weiteres Signal, dass sich Montage- und Kalibrierdienstleistungen zunehmend vom festen Werkstattstandort lösen. Wer selbst mobile Services anbietet – etwa Räderwechsel, Inspektionen oder eben Glas- und ADAS-Arbeiten vor Ort – steht vor der organisatorischen Herausforderung, Einsatzorte, Zeitfenster und benötigtes Equipment so zu planen, dass Standortanforderungen wie Platzbedarf oder Lichtverhältnisse zuverlässig eingehalten werden. Eine strukturierte Termin- und Ressourcenplanung wird dabei zum entscheidenden Faktor, um Mobileinsätze neben dem stationären Werkstattbetrieb wirtschaftlich zu steuern. Werkzeuge wie der CATAMA Werkstattplaner und Terminplaner helfen Betrieben, solche zusätzlichen Einsatzarten übersichtlich neben dem regulären Werkstattgeschäft zu disponieren.

Quelle: autohaus.de, 06.11.2026

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