Digitale Gesellenprüfungen: Acht Kfz-Landesverbände gründen gemeinsame Gesellschaft

Acht Kfz-Landesverbände haben sich zu einer gemeinsamen Gesellschaft zusammengeschlossen, um digitale Gesellenprüfungen im Kfz-Gewerbe künftig selbst zu organisieren. Hintergrund ist eine organisatorische Neuausrichtung des Bundesinnungsverbands des Kraftfahrzeughandwerks (BIV-Kfz) bei der Prüfungsabwicklung – ein Schritt, der zeigt, wie stark Digitalisierung inzwischen auch die berufliche Ausbildung in Werkstätten prägt.

Neue Struktur statt zentraler BIV-Organisation

Bislang hatte der BIV-Kfz die Organisation digitaler Gesellenprüfungen zentral gesteuert. Künftig übernehmen acht Landesverbände diese Aufgabe gemeinsam und bauen dafür eine eigenständige Gesellschaft auf. Kernstück der neuen Struktur ist eine zentral betriebene Aufgabenbank, die fortlaufend von Fachautorinnen und Fachautoren weiterentwickelt wird. Die Initiatoren betonen, dass die Zusammenarbeit offen für weitere Landes-, Innungs- und Fachorganisationen ist, die sich künftig anschließen können.

„Unser Auftrag ist die bestmögliche Unterstützung der Kfz-Innungen, ihrer Mitgliedsbetriebe und der Auszubildenden. Dafür brauchen wir starke Partner und verlässliche Strukturen“, erklärte Thorsten Krämer, Vizepräsident und Landesinnungsmeister des hessischen Kfz-Gewerbes, das die Initiative mit angeschoben hat.

Hessen als Vorreiter der digitalen Prüfung

Das Kfz-Gewerbe Hessen gilt als Vorreiter: Dort werden die theoretischen Gesellenprüfungen für Kfz-Mechatronikerinnen und -mechatroniker bereits seit 2020 flächendeckend digital durchgeführt. Jährlich legen dort mehr als 2.000 Prüflinge ihre theoretische Gesellenprüfung am Bildschirm statt auf Papier ab. Technologiepartner ist die IQUL GmbH, deren Prüfungssoftware Q-Exam neben der technischen Infrastruktur auch Hosting, Support, Schulungen und den laufenden Betrieb bereitstellt.

Digitale Prüfungsformate unterscheiden sich dabei deutlich von klassischen Papierprüfungen: Statt reiner Textfragen kommen unter anderem Gruppierungsaufgaben, Lückentexte, Bilddiagnosen und Bildzuordnungen sowie anspruchsvollere Multiple-Choice-Varianten zum Einsatz. Abgefragt werden klassische Themenfelder der Kfz-Mechatronik wie Beleuchtung, Bordnetz, Bremsmechanik, Ladestrom, Motormechanik und Startsysteme – allerdings in einer Form, die näher an der Praxis in der Werkstatt liegt als reine Textaufgaben.

Was das für Betriebe und Ausbildung bedeutet

Für Ausbildungsbetriebe ist die Umstellung zunächst vor allem organisatorisch relevant: Prüfungstermine, -orte und -abläufe ändern sich mit der neuen Trägerstruktur nicht grundlegend, die technische Basis der Prüfungen wird aber bundesweit einheitlicher. Langfristig dürfte die Standardisierung über Ländergrenzen hinweg auch die Vergleichbarkeit von Prüfungsergebnissen verbessern und es einfacher machen, Prüfungsinhalte an neue Fahrzeugtechnik – etwa Hochvolt- und Assistenzsysteme – anzupassen.

Die Initiative reiht sich damit in einen branchenweiten Trend ein: Immer mehr Verwaltungs- und Organisationsprozesse rund um Werkstattbetrieb und Nachwuchsförderung werden digitalisiert, vom Prüfungswesen bis zur täglichen Betriebsorganisation. Wie stark digitale Werkzeuge inzwischen auch die interne Terminplanung und Werkstattorganisation von Kfz-Betrieben prägen, zeigt sich unabhängig vom Prüfungswesen in vielen Werkstätten bereits im Alltag.

Quelle: AUTOHAUS, 03.11.2026

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