AUTOHAUS Servicegipfel 2026: Mehr Ertrag im Aftersales durch bessere Prozesse statt höherer Preise

Mehr Ertrag im Service entsteht selten durch höhere Stundenverrechnungssätze allein – sondern durch bessere Prozesse, konsequent vermarktete Zusatzleistungen und neue Geschäftsfelder. Das war die zentrale Botschaft des AUTOHAUS Servicegipfels powered by Würth im Oktober 2026 in Zweiflingen, bei dem Aftersales-Verantwortliche aus Autohäusern konkrete Ansatzpunkte diskutierten.

Steigende Kosten, weniger Wartungsaufwand

Der Ausgangspunkt ist für viele Betriebe bekannt: Personal-, Teile- und Betriebskosten steigen, während E-Autos im Schnitt weniger klassische Wartungsarbeiten erfordern. Gleichzeitig werden Kundenerwartungen anspruchsvoller. Berater des Beratungsunternehmens Numbero warnten beim Servicegipfel vor einer Negativspirale: Erhöhen Markenbetriebe ihre Verrechnungssätze als Reaktion auf steigende Kosten, wandern insbesondere Halter älterer Fahrzeuge in den freien Markt ab. Profitabilität müsse deshalb vorrangig über Prozesse statt über den Preis entstehen.

Zeiten clever kombinieren statt Standzeiten verlängern

Ein praktischer Ansatz: Arbeiten so kombinieren, dass die Fahrzeugstandzeit nicht steigt. Beispiele aus der Veranstaltung waren automatisierte Steinschlagreparatur, die Reinigung des Innenraumfilterkastens und die Prüfung von Ladekabeln – Tätigkeiten, die parallel zu anderen Arbeiten am Fahrzeug laufen können. Der Mitarbeiter führt währenddessen bereits die nächste Leistung aus, ohne dass sich die Durchlaufzeit insgesamt verlängert.

Damit das funktioniert, braucht es allerdings eine saubere Auftragsvorbereitung und eine Terminplanung, die Zusatzleistungen von Anfang an mit einplant statt sie spontan nachzuschieben. Ein digitaler Werkstattplaner kann hier helfen, Kapazitäten realistisch zu verteilen und Leerzeiten zwischen den einzelnen Arbeitsschritten zu vermeiden.

Transparenz über Aufträge deckt verlorene Erträge auf

Nach Angaben von Numbero verarbeitet die eigene Analyselösung Daten aus 22 Dealer-Management-Systemen und macht Potenziale bis auf einzelne Arbeitspositionen transparent – etwa bei Smart Repair, Fahrzeugaufbereitung, Achsvermessung, Scheibenreparatur oder Klimaanlagenservice. Häufige Ertragslecks seien offene Aufträge, nicht abgerechnete Arbeitszeiten oder pauschal gewährte Rabatte. Entscheidend sei außerdem, dass Serviceberater den tatsächlichen Bedarf am Fahrzeug erkennen und dem Kunden verständlich vermitteln.

Batterierücknahme wird zum eigenen Prozess

Auch die Rücknahme von Hochvoltbatterien entwickelt sich zu einem eigenständigen organisatorischen Thema. Suzuki Deutschland stellte beim Servicegipfel ein Onlineportal vor, über das Händler die Abholung ausgedienter Batterien beauftragen können; die Abholung erfolgt inzwischen im Schnitt innerhalb von zwölf Tagen. Beim Recycling lassen sich laut Suzuki bis zu 98 Prozent der enthaltenen Materialien zurückgewinnen – ein Hinweis darauf, dass auch Rückläufer-Logistik künftig fester Bestandteil der Werkstattorganisation wird statt eines Nebenschauplatzes.

Reifengeschäft bleibt ein verlässlicher Ertragsbringer

Trotz aller Digitalisierungsthemen blieb das klassische Reifengeschäft ein fester Programmpunkt. Für 2026 wird laut Veranstaltung ein Absatz von rund 17,5 Millionen Ganzjahresreifen erwartet. Reifenhersteller sehen zudem wachsendes Potenzial im Autohaus, da mit zunehmender Elektromobilität klassische Wartungsarbeiten und der Ölservice an Bedeutung verlieren, während höheres Fahrzeuggewicht und sofort verfügbares Drehmoment bei E-Autos besondere Anforderungen an Reifen stellen.

Was das für Werkstätten bedeutet

Der Servicegipfel zeigt im Kern, dass zusätzlicher Ertrag im Aftersales heute vor allem aus organisatorischer Präzision entsteht: vollständige Abrechnung aller Leistungen, realistische Terminplanung, konsequente Nutzung von Wartezeiten und ein Blick für neue Geschäftsfelder wie Batterielogistik. Wer Aufträge und Ersatzteile digital im Blick hat, statt sie manuell nachzuhalten, reduziert genau die Lücken, die laut den Referenten am häufigsten Ertrag kosten.

Quelle: AUTOHAUS.de, „AUTOHAUS Servicegipfel powered by Würth: Mehr Ertrag im Aftersales“, 06.10.2026.

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