Rezyklat-Fahrwerksteile aus Altteilen: Was ZFs MATERIALICA-Award-Projekt für Werkstätten bedeutet

Ausgediente Getriebeölwannen gelten in der Werkstatt meist nur als kontaminierter Abfall. ZF, BASF und Mercedes-Benz haben nun gezeigt, dass sich das Polyamid aus Altteilen zu einem vollwertigen Fahrwerksbauteil verarbeiten lässt – ausgezeichnet mit dem MATERIALICA Award 2026. Für Kfz-Betriebe und den Ersatzteilhandel ist das mehr als eine Randnotiz: Kreislaufwirtschaft bei Kunststoffteilen wird zunehmend zum Qualitäts- und Kostenthema im Tagesgeschäft.

Vom Altteil zum neuen Fahrwerksbauteil

Im Rahmen eines gemeinsamen Projekts haben der Automobilzulieferer ZF, der Chemiekonzern BASF und Mercedes-Benz ein Verfahren entwickelt, mit dem Polyamid 6 (PA6) aus ausgedienten ZF-Getriebeölwannen zurückgewonnen wird. BASF setzte dabei auf Depolymerisierung: Der Kunststoff wird chemisch in seine Ausgangsbausteine zerlegt, aufgereinigt und anschließend wieder zu einem hochwertigen Material verarbeitet. Aus dem gewonnenen Rezyklat entstand ein Stabilisator-Anbindungsteil – ein technisch anspruchsvolles Fahrwerksbauteil, dessen Polymeranteil zu 100 Prozent aus wiederverwertetem Material besteht.

Die seriennahe Erprobung erfolgte im ZF-Kunststofftechnologiezentrum in Dielingen und wurde für den Einsatz bei Mercedes-Benz getestet. Dabei verglich ZF das aufbereitete Rezyklat mit dem bisher verwendeten Standardwerkstoff von BASF – mit dem Ergebnis, dass sich das recycelte Material technisch gleichwertig verarbeiten lässt. Für die Forschungsarbeit erhielt ZF den MATERIALICA Award 2026 in der Kategorie „CO2-Efficiency“. BASF selbst wurde für die zugrunde liegende PA6-Recyclingtechnologie zusätzlich beim Fakuma Innovation Award 2026 ausgezeichnet.

Warum das Thema für Werkstätten relevant wird

Kunststoffbauteile wie Ölwannen, Abdeckungen oder Halterungen machen einen wachsenden Anteil der im Fahrzeug verbauten Teile aus. Bislang landen ausgebaute Altteile aus der Werkstatt in aller Regel in der thermischen oder stofflichen Entsorgung, ohne dass das enthaltene Material zurück in die Fahrzeugproduktion fließt. Projekte wie das von ZF, BASF und Mercedes-Benz zeigen, dass sich dieser Kreislauf technisch schließen lässt – und dass Automobilhersteller und Zulieferer verstärkt in entsprechende Verfahren investieren, nicht zuletzt wegen regulatorischer Vorgaben zu CO2-Bilanzen und Materialkreisläufen in der Lieferkette.

Für Werkstätten und den Ersatzteilhandel ergeben sich daraus mittelfristig zwei praktische Konsequenzen. Erstens dürfte der Anteil von Bauteilen mit Rezyklat-Anteil im Ersatzteilsortiment zunehmen, ohne dass sich an Passgenauigkeit oder Gewährleistung etwas ändert – entscheidend ist für den Betrieb am Ende, dass das Teil die technischen Spezifikationen erfüllt, unabhängig vom Ursprung des Rohmaterials. Zweitens rückt die korrekte Erfassung und Trennung von Altteilen beim Ausbau stärker in den Fokus, wenn Hersteller zunehmend Rücknahme- oder Recyclingprogramme für bestimmte Bauteilgruppen etablieren. Betriebe, die Altteile bereits heute sortenrein erfassen und dokumentieren, sind auf solche Programme besser vorbereitet als Werkstätten, die Ausbauteile pauschal der Entsorgung zuführen.

Dokumentation und Teileverwaltung als Grundlage

Unabhängig davon, ob ein Bauteil am Ende recycelt oder entsorgt wird: Eine saubere Erfassung von ausgebauten und eingebauten Teilen im Auftrag ist für Werkstätten schon aus Gewährleistungs- und Nachweisgründen sinnvoll. Wer dokumentiert, welches Ersatzteil mit welcher Teilenummer und welchem Lieferanten verbaut wurde, kann im Zweifel schneller nachweisen, dass ein Originalteil, ein Identteil oder perspektivisch auch ein Teil mit Rezyklat-Anteil fachgerecht eingebaut wurde. Eine strukturierte Kfz-Warenwirtschaft unterstützt genau diesen Prozess, indem Teilebewegungen, Lieferantenbezug und Einbau im Auftrag lückenlos miteinander verknüpft werden – unabhängig davon, wie sich das Ersatzteilsortiment durch Recycling- und Kreislaufwirtschaftsprojekte der Hersteller in den kommenden Jahren verändert.

Ausblick

Noch handelt es sich bei dem ZF-Projekt um ein Pilotverfahren, keine Serienanwendung im großen Maßstab. Dass gleich drei große Industriepartner – ein Zulieferer, ein Chemiekonzern und ein Fahrzeughersteller – gemeinsam an einem solchen Kreislaufkonzept arbeiten und dafür prämiert werden, deutet aber darauf hin, dass Rezyklat-Bauteile in den kommenden Jahren von der Nischenanwendung zum festen Bestandteil der Ersatzteilproduktion werden könnten. Für Werkstätten und Teilehändler lohnt sich ein Blick auf diese Entwicklung schon jetzt, auch um frühzeitig auf mögliche neue Rücknahme- oder Dokumentationsanforderungen der Hersteller reagieren zu können.

Quellen: ZF-Pressemitteilung vom 16.10.2026, BASF-Pressemitteilung vom 16.10.2026, Berichterstattung bei autoservicepraxis.de.

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