Zum neuen Ausbildungsjahr 2026/2027 beginnen wieder Tausende junge Menschen ihre Berufsausbildung in Kfz-Werkstätten und Autohäusern. Der Kfz-Mechatroniker bleibt mit 24.531 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen im Jahr 2025 unangefochten der größte Ausbildungsberuf in Deutschland – auch wenn die Zahl erstmals seit fünf Jahren leicht rückläufig war (-2,8 % gegenüber 2024).
Gleichzeitig zeigt eine aktuelle Umfrage des Bundesinnungsverbands des Kraftfahrzeughandwerks (BIV-Kfz) unter rund 1.000 Betrieben: Der Druck zur Modernisierung der Ausbildung wächst deutlich.
Die Mobilitätswende verändert das Anforderungsprofil
Die große Mehrheit der Werkstätten hält die klassische Kfz-Mechatroniker-Ausbildung zwar weiterhin für grundsätzlich passend. Angesichts der zunehmenden technischen Komplexität sehen viele Betriebe aber deutlichen Weiterentwicklungsbedarf – vor allem bei:
- Elektrik und Elektronik
- Hochvolt-Technik (für E- und Hybridfahrzeuge)
- Fahrerassistenzsystemen (ADAS)
- Diagnose- und Softwarekompetenzen
Diese Entwicklung deckt sich mit Branchenschätzungen, wonach bereits heute tausende Kfz-Mechatroniker-Stellen unbesetzt bleiben, weil geeignete Bewerber mit den passenden Zukunftskompetenzen fehlen. Werkstätten ohne zertifizierte Hochvolt-Techniker dürfen an modernen Elektrofahrzeugen zudem kaum noch Arbeiten durchführen – ein handfester wirtschaftlicher Nachteil im Wettbewerb um Aufträge.
Praktika als wichtigster Zugangsweg
Laut BIV-Kfz berichten zahlreiche Betriebe weiterhin von zu wenigen oder unzureichend qualifizierten Bewerbern. Praktika gelten daher als wichtigster Weg, um junge Menschen frühzeitig für das Kfz-Handwerk zu gewinnen und ihre Eignung realistisch einzuschätzen.
Auch Ausbildungsabbrüche beschäftigen die Branche: Häufige Gründe sind laut Umfrage Fehlzeiten, Unzuverlässigkeit oder Konflikte im Team. Neben Fachwissen gewinnen deshalb persönliche Eigenschaften wie Verlässlichkeit, Motivation und soziale Kompetenz bei der Bewerberauswahl zunehmend an Bedeutung.
Was Betriebe sich wünschen
Mit steigenden Anforderungen wachsen auch die Erwartungen an Verbandsstrukturen. Werkstätten wünschen sich laut Umfrage vor allem:
- Mehr Weiterbildungsangebote für Ausbildende
- Digitale Lehrmaterialien
- Austauschplattformen zwischen Betrieben
- Zielgerichtetes Nachwuchsmarketing
Was bedeutet das für deine Werkstatt?
Der Wettbewerb um geeignete Auszubildende ist spürbar härter geworden – gerade kleinere Betriebe müssen heute deutlich mehr Aufwand in die Nachwuchsgewinnung stecken, etwa durch frühzeitige Ansprache an Schulen, Praktikumsangebote oder aktivere Präsenz in sozialen Medien. Ein paar konkrete Ansatzpunkte:
- Technologie-Vorsprung als Argument nutzen: Wer angehenden Fachkräften glaubhaft zeigen kann, dass im Betrieb moderne Diagnosetechnik und digitale Prozesse zum Alltag gehören, hat im Wettbewerb um Nachwuchs einen klaren Vorteil gegenüber Betrieben, die noch auf Papierprozessen basieren.
- Effiziente Prozesse entlasten das bestehende Team: Eine digitale Werkstattsoftware, die Terminplanung, Auftragsabwicklung und Fakturierung bündelt, reduziert den administrativen Aufwand pro Mitarbeiter – wichtig, wenn Fachkräfte ohnehin knapp sind und jede Arbeitsstunde am Fahrzeug zählen muss statt am Papierkram.
- Onboarding erleichtern: Neue Azubis und Quereinsteiger finden sich in einer strukturierten, digitalen Werkstattverwaltung häufig schneller zurecht als in gewachsenen, unübersichtlichen Papier- oder Excel-Prozessen.
Quelle: Umfrage des Bundesinnungsverbands des Kraftfahrzeughandwerks (BIV-Kfz), siehe auch Bericht bei autoservicepraxis.de.