HV-Batterie-Reparatur statt Komplettaustausch: Boschs neuer Reparatursatz

Elektroautos brauchen keinen Ölwechsel – aber wenn die Hochvolt-Batterie schwächelt, stand bislang meist nur eine teure Option zur Verfügung: der Komplettaustausch. Das ändert sich zunehmend. Bosch bietet inzwischen einen HV-Batterie-Reparatursatz an, mit dem sich bei ausgewählten Hybrid- und Elektrofahrzeugen (u. a. Toyota und Lexus) einzelne Batteriemodule austauschen lassen, statt die gesamte Traktionsbatterie zu ersetzen.

Wie funktioniert die Modul-Reparatur?

Der Ablauf: Die Hochvolt-Batterie wird im eingebauten Zustand zunächst spannungsfrei geschaltet und geprüft. Anschließend holt der HV-Experte die Batterie aus dem Fahrzeug, entfernt die Modulträgerplatte und weitere Komponenten, um die defekten HV-Module zu entnehmen. Diese werden durch neue Nickel-Metallhydrid-Module aus dem Reparatursatz ersetzt – Gehäuse, Lüfter und die übrige Elektronik bleiben dabei erhalten und werden weiterverwendet.

Der Vorteil gegenüber dem kompletten Batterietausch: geringere Kosten für den Kunden und ein deutlich ressourcenschonenderer Reparaturansatz, da nur die tatsächlich defekten Module ersetzt werden müssen.

Wichtig: Zertifizierung ist Pflicht

Die Reparatur darf ausschließlich von Personal mit einer HV-Level-3-Ausbildung durchgeführt werden – eine gesetzlich vorgeschriebene Qualifikation für Arbeiten an Hochvoltsystemen. Bosch bietet entsprechende Schulungen über sein Trainingscenter an. Eine Einzelabnahme nach der Reparatur ist nicht erforderlich, da der Reparatursatz bereits durch das Kraftfahrt-Bundesamt freigegeben ist. Auf den gesamten Reparatursatz gewährt Bosch fünf Jahre Garantie.

Voraussetzung: Zustandsdiagnose der Batterie

Bevor überhaupt repariert werden kann, muss der sogenannte SOH-Wert (State of Health) der Batterie bestimmt werden. Dafür sind professionelle Diagnosegeräte nötig, die den realistischen Alterungszustand der Zellen berechnen können. Erst auf dieser Basis lässt sich entscheiden, ob eine Modul-Reparatur überhaupt sinnvoll und ausreichend ist.

Was bedeutet das für deine Werkstatt?

Hochvolt-Kompetenz wird zum handfesten Wettbewerbsfaktor – nicht nur beim Fachkräfte-Recruiting (siehe unseren Artikel zum Fachkräftemangel), sondern auch bei der Frage, welche Aufträge eine Werkstatt überhaupt annehmen kann. Werkstätten ohne zertifizierte HV-Techniker dürfen an modernen E- und Hybridfahrzeugen praktisch keine Arbeiten am Antriebsstrang mehr durchführen.

Wer frühzeitig in HV-Level-3-Schulungen investiert und sich als Spezialist für Batteriereparatur statt Komplettaustausch positioniert, kann sich als kompetenter Partner für die wachsende Zahl an Elektro- und Hybridfahrzeugen im Bestand etablieren – ein Marktsegment, das mit der fortschreitenden Mobilitätswende nur wachsen wird.

Für die betriebliche Praxis heißt das auch: Reparaturaufträge, verbaute HV-Module und Garantiezeiten sollten lückenlos dokumentiert werden, idealerweise digital über die Werkstattsoftware, um bei Rückfragen oder im Garantiefall jederzeit nachweisfähig zu sein.

Quelle: Bosch Aftermarket, siehe auch Bericht bei freiewerkstatt.de.

Bild: „Old car engine showing various parts and tools during maintenance work in a garage“ von Nenad Stojković, Lizenz CC BY 2.0, Quelle: Wikimedia Commons

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