Ein durchschnittlicher Pkw-Sachschaden kostet die Kfz-Versicherer inzwischen rund 4.600 Euro – etwa 70 Prozent mehr als noch 2017. Das geht aus einer aktuellen Mitteilung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor. Für 2026 rechnet der Verband nur noch mit einem hauchdünnen versicherungstechnischen Überschuss in der Kfz-Versicherung.
Schadenaufwendungen wachsen schneller als die Beitragseinnahmen
Nach der GDV-Hochrechnung steigen die Leistungsauszahlungen in der Kfz-Versicherung 2026 um mehr als zehn Prozent auf rund 35 Milliarden Euro. Die Beitragseinnahmen legen im selben Zeitraum nur um knapp sieben Prozent auf rund 41 Milliarden Euro zu. Für das Gesamtjahr erwartet der Verband eine Schaden-Kosten-Quote von 99 Prozent – von jedem eingenommenen Euro fließen demnach 99 Cent in Schäden und Kosten zurück. „Die stark gestiegenen Werkstatt- und Ersatzteilpreise treiben die Schadenaufwendungen weiter nach oben, die deutlich schneller als die Beitragseinnahmen wachsen“, wird GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen in der Mitteilung zitiert.
Werkstattstunden und Ersatzteile als zentrale Kostentreiber
Konkret benennt der GDV zwei Haupttreiber: Zwischen 2017 und 2025 sind die Werkstattstundenpreise um 62 Prozent gestiegen, die Ersatzteilpreise im gleichen Zeitraum um rund 60 Prozent. Zum Vergleich: Die allgemeinen Verbraucherpreise erhöhten sich in diesen acht Jahren lediglich um 26 Prozent. Die Beiträge in der Kfz-Haftpflichtversicherung stiegen im gleichen Zeitraum nur um 18 Prozent – die Schere zwischen Kosten und Einnahmen geht damit seit Jahren weiter auf. Besonders ausgeprägt ist der Unterschied bei Elektrofahrzeugen: Deren Stundensätze lagen zuletzt im Schnitt rund 15 Prozent über denen für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, da Reparaturen häufiger in spezialisierten Werkstätten mit entsprechender Ausstattung erfolgen müssen.
Was das für Werkstätten und freie Betriebe bedeutet
Steigende Teile- und Stundensätze sind für Werkstätten zunächst ein betriebswirtschaftlich positives Signal – sie spiegeln gestiegene eigene Kosten (Personal, Technik, Energie) wider. Gleichzeitig verschärft sich damit aber auch der Druck auf Versicherer, bei Schadensregulierungen stärker auf Kalkulationsgenauigkeit zu achten. Betriebe, die mit Versicherungen und Sachverständigen abrechnen, bekommen Kostenvoranschläge und Nachkalkulationen zunehmend kritisch geprüft – Nachforderungen oder Kürzungen bei ungenauer Kalkulation werden wahrscheinlicher, wenn die Schaden-Kosten-Quote der Branche so eng wird wie aktuell beschrieben.
Für die betriebliche Praxis heißt das: Wer Arbeitszeiten, Ersatzteilpreise und mögliche Zusatzaufwände (etwa Kalibrierungen nach einem Teiletausch) von Anfang an realistisch und nachvollziehbar in den Kostenvoranschlag einrechnet, vermeidet Streit mit Versicherungen und Kunden im Nachgang. Der Unterschied zwischen einem unverbindlichen Kostenvoranschlag und einem rechtlich bindenden Angebot spielt dabei ebenfalls eine Rolle – mehr dazu im CATAMA-Ratgeber zum Unterschied zwischen Kostenvoranschlag und Angebot.
Ausblick
Die GDV-Hochrechnung für 2026 basiert auf den Zahlen des ersten Halbjahres und geht von einem leicht unterdurchschnittlichen Naturgefahren-Jahr (Sturm, Hagel, Überschwemmung) aus. Bleibt es bei der Entwicklung der vergangenen Jahre, dürfte sich der Kostendruck in der Kfz-Versicherung 2027 fortsetzen – mit entsprechenden Folgewirkungen auf Prüfpraxis und Abrechnungsanforderungen gegenüber Werkstätten.