Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Consult (IW Consult) im Auftrag des Bundesinnungsverbands des Kfz-Handwerks (BIV-Kfz) liefert erstmals eine umfassende volkswirtschaftliche Einordnung der Branche. Demnach sichern rund 49.000 Kfz-Handwerksbetriebe direkt und indirekt fast 705.000 Arbeitsplätze in Deutschland – und erweisen sich dabei als überdurchschnittlich krisenfest.
Direkte Wertschöpfung von 27 Milliarden Euro
Laut der im Oktober 2026 vorgestellten Studie „Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Kfz-Handwerks“ waren 2025 in rund 49.000 Betrieben etwa 491.000 Menschen direkt beschäftigt. Die Branche erwirtschaftete damit unmittelbar rund 27 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung bei einem Produktionswert von 51 Milliarden Euro. Rechnet man Aufträge an Zulieferer und die Konsumausgaben der Beschäftigten hinzu, kommen die Studienautoren auf eine gesamtwirtschaftliche Wirkung von 48,9 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung und rund 705.000 Erwerbstätigen. Jeder direkt im Kfz-Handwerk erwirtschaftete Euro löst demnach zusätzliche 83 Cent an gesamtwirtschaftlicher Wertschöpfung aus.
Stabilitätsanker in konjunkturellen Krisen
Besonders hervorgehoben wird in der Untersuchung die Krisenfestigkeit des Gewerks: Über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahrzehnten wies das Kfz-Handwerk unter den verglichenen Branchen die geringsten Beschäftigungsschwankungen auf. Als Hauptgrund nennen die Autoren die weitgehend konjunkturunabhängige Nachfrage nach Wartung, Reparatur und Sicherheitsprüfungen – Autos müssen unabhängig von der Wirtschaftslage regelmäßig gewartet und geprüft werden. Das Werkstattgeschäft wirkt dadurch als Stabilisator regionaler Arbeitsmärkte, besonders in ländlichen Regionen, wo das Kfz-Handwerk stärker vertreten ist als andere Teile der automobilen Wertschöpfungskette.
Ausbildungsquote mehr als dreimal so hoch wie im Durchschnitt
Auch bei der Fachkräftesicherung bescheinigt die Studie der Branche eine überdurchschnittliche Rolle: 2024 bildete das Kfz-Handwerk rund 55.200 junge Menschen aus, bei einer Ausbildungsquote von 15,6 Prozent – mehr als dreimal so hoch wie der gesamtwirtschaftliche Durchschnitt von 4,6 Prozent. Diese Qualifikationen kommen laut IW Consult nicht nur dem Kfz-Gewerbe selbst zugute, sondern strahlen über Berufswechsel und Weiterbildung auch auf andere Wirtschaftsbereiche aus.
Einordnung: Zahlen mit politischem Gewicht
BIV-Kfz-Bundesinnungsmeister Detlef Peter Grün betonte bei der Vorstellung erster Ergebnisse auf der Obermeistertagung 2026 in Frankfurt, die Studie liefere eine „belastbare Grundlage“ für die Positionierung des Verbands gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Vor dem Hintergrund von Fachkräftemangel, hohem Investitionsdruck durch Elektromobilität und Digitalisierung sowie wachsenden Dokumentationspflichten soll die Untersuchung unterstreichen, dass das Kfz-Handwerk trotz Strukturwandel ein verlässlicher wirtschaftlicher Faktor bleibt.
Was das für den einzelnen Betrieb bedeutet
Für die tägliche Praxis in Werkstatt und Autohaus ändern die Verbandszahlen zunächst nichts an Auftragslage oder Kapazitätsplanung. Relevant wird die Stabilität des Geschäftsmodells aber genau dort, wo Betriebe ihre Ressourcen effizient steuern müssen: Eine durchgehend hohe und planbare Nachfrage nach Wartung und Reparatur lässt sich nur dann in Ertrag ummünzen, wenn Werkstattkapazitäten realistisch verplant und Leerzeiten vermieden werden. Ein digitaler Werkstattplaner und Terminplaner unterstützt dabei, Aufträge, Personal und Hebebühnen so zu disponieren, dass die strukturelle Stärke der Branche auch im einzelnen Betrieb ankommt.
Quelle: BIV-Kfz / IW Consult, Studie „Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Kfz-Handwerks“, Oktober 2026.